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… sonst kommen sie später im Leben nicht zurecht!“

 

Zu meinem letzten Artikel, Warum wir Kindergartenfrei leben, habe ich viel positive Resonanz bekommen. Das freut mich natürlich sehr.
Ich habe sogar E-Mails von „Erziehern“ bekommen, für die solche Situationen Alltag sind oder die solche Situationen sogar in der Ausbildung erlebten. Immer wieder.
Leider fehlt oft die Kraft, oder der Mut, sich gegen diese „schwarzen Schafe“ der Erzieher zu wehren oder durchzusetzen. Anderen Erziehern und auch Müttern. Von unseren Kindern können wir es auf gar keinen Fall erwarten.

Ich habe mir, gerade vor kurzem, fest vorgenommen, dass meine Kinder keine „Angst“ (mehr) vor Erwachsenen haben sollen. Sondern sich als gleichberechtigt sehen sollen.
Ebenso habe ich entschieden, dass meine Kinder sich keiner „Hierarchie“ mehr beugen müssen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder anderen auf Augenhöhe begegnen und ein respektvolles Miteinander stattfinden kann.
Die Ängste, die viele Erwachsenen dabei haben, höre ich immer wieder. „Aber Kinder müssen Respekt haben vor Erwachsenen“, „Kinder müssen lernen, sich unterzuordnen“, „Kinder müssen sich später im Beruf auch einem Chef oder Vorgesetztem unterordnen“.
Vor kurzem wurde mir sogar vorgehalten, meine Kinder dürfen so viel und ich würde viel zu sehr auf ihre Bedürfnisse eingehen. Was für ein wunderbares Kompliment an mich, oder?

Ich bin der Meinung, meine Kinder müssen sich nicht unterordnen. Meine Kinder haben dasselbe Recht wie jeder andere Mensch auch. Auch meine Kinder wollen respektvoll behandelt werden, so wie Du und ich. Ich glaube, wenn meine Kinder lernen, andere respektvoll zu behandeln, dann werden sie auch nie Probleme mit einem Vorgesetztem oder Chef haben. Ich sage meinen Kindern immer wieder, dass es für mich wichtig ist, dass sie andere so behandeln wie sie selbst es sich von anderen für sich wünschen. Das geht ganz ohne Regeln, Maßregeln oder Androhungen von Strafen. „Wenn Du nicht, dann…“

Manchmal habe ich das Gefühl mit meiner Einstellung überall aufzufallen. „Sie müssen sich aber durchsetzen!“ Inzwischen erkläre ich, wenn es sich ergibt, dass ich meine Kinder so behandle, wie meinen Partner, wie meine Freunde. Es bedeutet nicht, dass ich alle meine Gedanken, Sorgen oder Entscheidungen mit meinen Kindern so teile wie mit meinem Mann. Es bedeutet auch nicht, dass ich meine Kinder überfordere, indem ich sie wie einen Erwachsenen behandle. Nein…
Es bedeutet, dass ich meinen Kindern genau denselben Respekt entgegen bringe wie anderen Menschen. Ich zwinge meinen Mann nicht zum Zähneputzen, halte ihn dabei fest, stopfe die Zahnbürste in seinen Mund und sage, es sei ja gar nicht schlimm, aber wichtig. (Obwohl ich bei diesem Beispiel gerade etwas schmunzeln muss, vielleicht probiere ich es mal aus 😉 )
Ich zwinge meinen Mann nicht dazu, sich zu beeilen, weil ich los muss, und zerre ihn zur Haustüre raus. Nein, ich respektiere ihn, stelle mich und meine Bedürfnisse zurück und achte darauf, ihn so zu behandeln wie ich es umgekehrt von ihm erwarten würde.
Dieses Denken ist absolut nicht so leicht wie es sich liest. Es bedeutet jeden Tag sehr viel und harte Arbeit. Es bedeutet, dass ich manchmal müde und erschöpft bin. Weil ich das 100. Mal erkläre, begleite, wieder erkläre und wieder einen Geschwisterstreit begleite. Es ist hart für mich, alte, selbst „anerzogene“ Verhaltensmuster abzulegen. Wobei ich sagen muss, dass ich es viel schlimmer finde, wenn ich in einer Situation meine Mutter oder meinen Vater aus mir sprechen höre.
„Ich zähle bis drei…“ (zum Beispiel). Zieht bei meinen Kindern aber sowieso nicht, denn mein Sohn fragte mich schon ziemlich früh: „Mama, was passiert denn bei drei?“ Ähm, ja. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Eigentlich haben meine Kinder meine „Erziehung“ in Frage gestellt und mich auf den Weg zu „unerzogen“ und „bedürfnisorientiert“  gebracht. Vor allem mein Großer. Mit seiner sensiblen und naiven wunderbaren Sicht zeigt er mir immer wieder, wie schön das Leben ohne „solange Du deine Füße unter meinen Tisch stellst“ ist.

Eigentlich wollte ich Euch aber heute erzählen, wie es sich kindergartenfrei lebt. Bereits in meinem letzten Artikel habe ich erzählt, dass sich unser Familienleben um einiges verbessert hat, seitdem ich meine Kinder nicht mehr fremdbetreuen lasse. Viele haben sich gefragt, ob und wie das denn geht. Denn man braucht ja mal Zeit für sich. Auszeiten. Stimmt. Ich auch. (So nun ist aber Schluss mit den kurzen Sätzen 😉 )
Ich nehme mir auch meine Auszeiten, aber sicherlich anders. Ich habe meinen Mann, in der Regel, am Wochenende zu Hause. Er genießt dann die Zeit mit unseren Kindern sehr und schafft mir so oft Auszeiten. Für ein schönes heißes Bad mit meiner Lieblingsserie, zum Sonntagnachmittagsschlaf, für eine Reitstunde oder zum Nähen. Was auch immer ich brauche, er hält mir den Rücken frei (umgekehrt natürlich genauso).

Unser Alltag wird von uns allen gemeinsam gestaltet. Wir gehen gemeinsam einkaufen, wir putzen und waschen gemeinsam. Wir kümmern uns gemeinsam um den Garten und waschen das Auto als Team.
Am Vormittag, nachdem wir die Pferde auf die Wiese gebracht haben, nehme ich mir die Zeit auf die Bedürfnisse meiner Kinder einzugehen. Wir malen, basteln, lassen uns witzige neue Spiele einfallen, kneten, lernen schreiben und die Zahlen, spielen mit dem LÜK Kasten oder machen gemeinsam Musik. Diese Zeit ist sehr wichtig für uns. Eigentlich ist es genau wie in einer Kita. Nur eben mit Mama. Wir haben die Empfehlung von Tina *klick* umgesetzt und uns einen Jahreszeitentisch gestaltet. Wir entdecken nun jeden Tag (größtenteils im Wald) die verschiedenen Vögel, welche Blumen zuerst blühen, lernen welches Gemüse wir bald schon einsäen müssen und schauen uns die Bäume genau an. Mein Großer lernt, ganz von allein, wie Blumen aufgebaut sind. Er findet es sehr Interessant und auch ich muss mich hierzu belesen, denn das Thema fand ich in der Schule total langweilig. Aber die Begeisterung meines Sohnes zieht mich einfach mit.
Wir kochen gemeinsam und probieren immer wieder ein neues Rezept aus.  Wir bauen und konstruieren mit Lego und Holzbauklötzen und spielen auch einfach mal nur. Mit meinem Großen fange ich jetzt an zu Experimentieren. Das interessiert aber auch meinen Jüngsten ganz extrem.
Die Wochenenden verbringen wir gern im Freien, entdecken Deutschland und die Nachbarländer wie Holland. Auch dabei genießen mein Mann und ich viel Freiheit! Gemeinsam, als Familie.

Die Zeit, die Entwicklung die ich bei meinen Kindern beobachten und begleiten darf, all das sind Dinge, die ich nur einmal erleben darf. Nur ein paar Jahre, die auch anstrengend sind (keine Frage), die mir geschenkt wurden. Diese Zeit möchte ich nicht (mehr) an andere (fremde) Menschen abgeben.
Und die Entwicklung  gibt mir Recht. Was Kindergarten und Schule aus uns macht, das kann man jeden Tag auf der Straße sehen, in den Nachrichten hören, in der eigenen Familie spüren und unter Freunden erleben. Wenn wir etwas verbessern wollen, sollten wir bei uns selbst anfangen, es unseren Kindern vorleben und sie nicht zwingen sich an „Moralvorstellungen“ zu halten, die wir selbst nicht einhalten (können). „Ich möchte nicht, dass Du mich anlügst!“ Und wie steht es mit Dir? Noch nie gelogen? Bei der Steuererklärung? Oder bei der Verabredung, auf die Du keine Lust hattest?
„Du darfst niemandem etwas stehlen!“ Und wie steht es mit Dir? Noch nie was von der Arbeit mit genommen? Einen Kugelschreiber? Kopierpapier? Genau genommen ist das nämlich Firmeneigentum. Du findest ich bin kleinlich? Sind wir das nicht alle bei unseren Kindern? Damit was aus ihnen wird? Na, erwischt?

Veränderung fängt bei uns selbst an. Wenn wir bereit sind, umzudenken und mal neue Wege zu gehen, dann könnte das Leben uns überraschen.

Mit meinem Artikel möchte ich Dich (und mich) heute mal herausfordern.
Wenn Du Lust hast, mach mit und berichte mir gern.
Einen Tag, 24 Stunden, in denen wir nicht schimpfen, keine Vorwürfe machen und nicht schreien. Sondern zuhören, da sein, sehen und begleiten. Respektvoll. Und, ein besonderer Tipp von mir: Handy und Tablet aus. Wenn die Kinder schlafen, ist genug Zeit für Facebook und Instagram 😉

Es grüßt Dich ganz lieb
Sarah

Autorin: Sarah

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