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Vor einiger Zeit noch war mein Denken belastet von dem Erlebten in meiner Kindheit, den Erfahrungen und Strukturen. Als Kind hatte ich anfangs einfach alles. Ich bekam, was ich mir wünschte und materiell war einfach immer alles da. An Weihnachten war die Anzahl der Geschenke kaum zu überblicken.  Doch schon immer fehlte mir etwas, das ich als Kind noch gar nicht einschätzen konnte. Eine Leere. Meine Eltern haben rund um die Uhr gearbeitet, daher ging es uns finanziell eigentlich immer gut. Allerdings waren  mein Bruder und ich viel alleine. Wir waren oft auf uns gestellt und schon früh übernahm ich für Vieles die Verantwortung.

Heute, mit eigenen Kindern, musste ich erst lernen, aus dem Denken des „Haus, Kinder, Arbeit, Auto, Hund“  zu entkommen. Das fiel mir relativ leicht, denn mir war immer klar, dass ich nicht so handeln möchte wie meine Eltern es damals taten. Ich wollte mich nie kaputt arbeiten und mein Leben verpassen. Doch die Tücke lag im Alltag. Bis vor einiger Zeit sogar noch, handelte ich ganz oft so, wie es mein Vater tat. Ich merkte es erst vor kurzem. Wenn meine Kinder einen materiellen Wunsch äußerten, so spürte ich innerlich diesen Druck, meinen Kindern diesen Wunsch zu erfüllen. Natürlich erfülle ich, so wie viele andere Mamis auch, meinen Kindern gern ihre Wünsche.  Aber ich tat es auch aus einem Zwang heraus. So wie ich gelernt habe, immer alles zu bekommen, so handelte ich nun mit meinen Kindern. Unsere Kinderzimmer standen voll mit allem Möglichen. Aber das schlimmste war daran, dass ich spürte, wie sie den Wert der Dinge überhaupt nicht wahrnahmen. So war  schnell an einigen Teilen hier was abgebrochen, Spiele waren nicht mehr komplett und viele, viele Bücher lagen staubig in der Ecke. Einst die großen Wünsche meiner Kinder.

Vor einiger Zeit begann ich damit, umzudenken.  Es musste einfach möglich sein, es anders zu machen. Was mich besonders bewegte, war das einfache Leben in anderen Ländern.  Mehr und mehr entwickelte ich ein starkes Interesse und Umdenken in unserem Leben.  Ich fand im Internet dann einige Seiten zu Minimalismus und Plastikfrei leben. Ich sah, wie manche Menschen mit einem Minimum an Materiellem lebten und sah mir den Film „Plastic Planet“ an. Ich war erschrocken. Erschrocken darüber, dass wir nicht nur völlig im materiellen Überfluss lebten, sondern wir auch mit Dingen leben, die uns krank machen. Nicht nur seelisch, sondern auch körperlich.

„Ich würde sagen, wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht behaupten, dass es irgendeine Form von sicherem Plastik gibt.“ Fred vom Saal, Endokrinologe

Mein Umdenken nahm eine noch größere Form an als bisher. Ich nahm die Kinderzimmersanierung hier bei uns als Gelegenheit an, auszusortieren. Und zwar richtig. Vieles, was nicht mehr bespielt wurde, haben wir entweder für kleines Geld verkauft, oder verschenkt. Einiges haben wir entsorgt. Dabei  wurde mir bewusst, wie viel unnötigen Kram wir bei uns haben und wie viel Müll wir allein mit dem Aussortieren gemacht haben.
Die Kinder  waren am Anfang sehr skeptisch und trennten sich von manchen Dingen noch nicht. Ich fing ganz langsam an. Die Dinge, von denen sie sich trennen konnten und die wir verkauften, gaben neuen Aufwind für das nächste Sortieren. Sogar mir fiel die Trennung von einigen Dingen etwas schwer und dabei wurde mir klar, wie sehr ich an materiellen Dingen hing. (Eine kluge Frau sagte mir mal, ich solle auf einen Schrottplatz gehen und mir ansehen, was dort alles rum liegt. All das hatte für irgendwen irgendwann mal eine große Bedeutung. Wir nehmen nichts mit, wenn wir mal gehen. Damals habe ich es noch nicht ganz verstanden, heute ist mir sonnenklar was sie meinte.)
Nach und nach hatten die Kinder enormen Spaß am Aussortieren und mehr und mehr spürte ich, wie eine gewisse Freiheit und Leichtigkeit in unserem Leben einzog.  Ich muss inzwischen sogar aufpassen, dass mein Großer nicht alles verkauft was er gerade für einen Tag für langweilig hält 😉

Die Kinderzimmer sind inzwischen wieder fertig eingerichtet und, was soll ich sagen, es ist wunderbar. Licht und Luft und endlich Platz für viel anderes, kreatives. Die Kinder spielen sehr viel mehr, konzentriert auf eins, in ihren Zimmern. So kannte ich es bisher gar nicht.  Draußen suchen wir inzwischen noch viel mehr Naturmaterialien zusammen, die wir in kleinen Gläsern aufbewahren. Ich habe das Gefühl, dass die Kinder jetzt viel offener spielen und nicht völlig überfordert mit der Auswahl von vielem buntem Spielzeug sind.
Ich habe auch alles andere im letzten halben Jahr drastisch reduziert. Meine Küchenschränke konnte ich halbieren, die „Rumpelkammer“ ist nun ein kleines Nähzimmer und ich habe noch viel mehr vor. Ich behaupte nicht, dass wir ganz minimalistisch leben. Denn es gibt einiges, worauf wir nicht verzichten wollen. Aber wir geben uns sehr viel mehr Mühe damit, bewusster zu leben. Wir achten mehr auf Nachhaltigkeit und die Kinder haben richtig Spaß daran.

Mein Denken, die Kinder brauchen jedes Spielzeug, das sie sehen und gut finden, hat sich fast ganz gelegt. Manchmal spüre ich noch, dieses Pflichtgefühl alles zu kaufen. Aber inzwischen habe ich es gut im Griff, denke öfter darüber nach und lasse mir Zeit. So spare ich nicht nur (wirklich) viel Geld, sondern ich bekam eine ganz neue Bindung zu meinen Kindern. Denn oft vergesse ich, dass Materielles für einen Moment glücklich macht, eine wahre Beziehung aber dauerhaft. Die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Lachen und die gemeinsamen Erfahrungen und Lernprozesse haben unsere Familie noch näher aneinander gebracht und mich sensibler gemacht für meine Kinder, für meine Umwelt und für meine Mitmenschen.
Eine ganz fantastische Veränderung.

Heute, an Ostern, wird mir wieder bewusst, wie verstrickt ich in ein System war, das durch Konsum versucht, Lücken wie Liebe und Zeit zu füllen. Rund herum gibt es viele, wirklich viele Eltern, die ihren Kindern zu Ostern nicht nur wahnsinnig viele oder große oder teure Geschenke machen, sondern auch einen teuren Urlaub gebucht haben und nun ihre sonst fehlende Zeit in diese paar Tage und Geschenke zu packen, um nachzuholen, was die letzte Zeit durch Beruf und Alltag auf der Strecke blieb. Verdrehte Welt, oder?

 

Natürlich bekommen meine Kinder zu Ostern eine Kleinigkeit und dürfen ihre (veganen) Schokoladeneier suchen. Trotzdem haben wir es wirklich auf ein Minimum reduziert und genießen die Osterzeit gemeinsam mit dem Entdecken der Ostergeschichte und deren Bedeutung. Wir schauen uns andere Länder an und bringen gemeinsam in Erfahrung, wo Ostern gefeiert wird, wie es gefeiert wird und warum. Ich liebe es, keinen Stress zu haben, weil die  Verwandtschaft kommt oder wir irgendwo hin müssen zum „Osterkuchen essen“. All dies kann natürlich sehr schön sein, wenn man es gern macht und ohne Stress. Aber bei uns war es immer stressig. Das Einkaufen und Vorbereiten, das Haus putzen und die Kinder möglichst ordentlich gekleidet zu einer bestimmten Uhrzeit fertig zu haben. All diese „Abläufe“ sind mir inzwischen viel zu viel des Guten und ich konzentriere mich auf das, was wirklich für mich zählt, die Familie.

Diese kurze gemeinsame Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringen darf, die möchte ich doch so intensiv wie nur möglich genießen. Dabei haben mir mein Umdenken und das Loslassen von vielem Materiellen geholfen.

Hier habe ich für Dich einen kleinen Einblick in die Zimmer von meinen beiden jüngsten Kindern:

 

Egal wie Du Ostern verbringst, wichtig sind dabei die Familie und der Spaß. Ich wünsche Dir ein schönes Osterfest.

Alles Liebe,
Sarah

P.S.: Bald wird es hier auf dem Blog ein tolles Interview zum Thema „Schulfrei“ und einen Familien Vlog geben. Wenn Du es nicht verpassen willst, dann melde Dich doch gleich zum Newsletter an.

Autorin: Sarah

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