Seite auswählen

Zu unseren letzten beiden Artikeln zum Thema Schulfrei (Sarah erzählte von ihren persönlichen Erfahrungen bzgl der Rückstellung ihrer Tochter, ich selbst schrieb über den Wunsch nach Bildungsvielfalt und stellte die drei größten Vereine vor) haben wir viele Rückmeldungen bekommen, aber auch einige Nachfragen. Kein Wunder, “Schule” ist so sehr in unserer Kultur verankert, dass wir uns zunächst einmal kaum vorstellen können, wie die Alternative aussehen könnte.

Müssen dann die Eltern unterrichten? Aber wie soll das gehen, wir sind doch in der Mehrzahl keine Superhirne? Wie können wir denn dann unseren Kindern alles beibringen, was sie brauchen?
Brauchen wir Schule nicht doch??? (Natürlich nicht. 😉 )

Zum einen ist es das Lernen an sich, das meiner Meinung nach falsch gesehen wird. Ich habe den Eindruck, viele glauben, man könne nur mit einem Lehrer lernen, wenn man angeleitet wird. Lernen ist aber etwas, was am allerbesten aktiv und selbstmotiviert geschieht.

Darüber hinaus ist es so, dass “schulfrei” nicht gleich “schulfrei” ist. Soll heißen: wenn wir zehn schulfreie Familien haben, haben wir vermutlich auch zehn Möglichkeiten, wie diese ohne Schule lernen. Ich habe inzwischen Kontakt zu einigen schulfreien Familien und jede macht es ein bisschen anders.

Um einmal einen Einblick in die Möglichkeiten des “Wenn man nicht zu Schule geht – was macht man denn dann???” zu geben, möchte ich heute mal die gängigsten Bezeichnungen schulfreien Lernens definieren. Da es natürlich “nur” meine Erklärungen sind, beanspruche ich nicht, dass sie allgemeingültig oder gar vollständig sind – wenn Du also etwas ergänzen möchtest, tu das gerne direkt unten in den Kommentaren oder schreib mir eine Mail!

Aber genug der Vorrede, ich lege dann mal los:

Schulfrei: Eigentlich logisch: schulfrei bezeichnet jeden, der ohne Schule lebt. Der Begriff sagt erst einmal nichts darüber aus, wie er stattdessen lernt oder lebt.

Homeschooling: Wird zum einen auch als Überbegriff verwendet (ähnlich wie “schulfrei”), um alle Formen schulfreien Lernens zusammenzufassen, bezeichnet zum anderen aber auch den (mehr oder weniger) klassischen Hausunterricht, bei dem zu Hause nach einem Lehrplan unterrichtet wird.

Freilernen/Unschooling: Bezeichnet normalerweise das freie Lernen ohne Lehrplan. Der Lernende (meist: das Kind/der Jugendliche) lernt nach eigenen Interessen, ohne vorgegeben zu bekommen, was jetzt “an der Reihe” ist. Die Eltern (oder andere Begleitpersonen, Verwandte, Freunde, Bekannte – in Zeiten der Videotelefonie lässt sich die Liste ja fast beliebig erweitern!) unterstützen und helfen dabei.

Worldschooling: Der Begriff erklärt es eigentlich schon: in der Welt wird gelernt. Wobei “Welt” hier wörtlich zu verstehen ist – Worldschooling-Familien befinden sich meist auf (dauerhafter) Weltreise. Die Worldschooling-Familien, die ich kenne, sind auch alle Freilerner/Unschooler.

Roadschooling: Ähnlich wie Worldschooling, bezeichnet Roadschooling das Lernen unterwegs, “on the road”, also auf der Straße – im Auto/Wohnmobil/Bus etc.

Deschooling: Bezeichnet die Zeit, die ein Schüler (und seine Familie) benötigt, um sich vom institutionellen Lernen frei zu machen. Je länger ein Kind in der Schule war, desto länger dauert auch der Deschooling-Prozess. Deschooling ist also keine Lernform an sich, sondern bezeichnet eine Art Übergangszustand.

So weit so gut.

Wie bei allem im Leben, gibt es auch beim schulfreien Lernen nicht nur schwarz und weiß. Zwar gibt es natürlich Familien, die strikten Hausunterricht machen, und auch Familien, die ganz und gar frei lernen, aber es gibt auch mindestens genauso viele Mischformen – dass ein bestimmtes Lernziel für einen gewissen Zeitraum fokussiert wird, dass eine bestimmte Stundenzeit pro Woche festgelegt ist, in der intensiv mit Büchern gearbeitet wird oder oder oder.

Du siehst: schulfreies Lernen ist spannend und vielfältig, es geschieht überall und sicher nicht nur zu Hause, isoliert mit Mama und Papa, hinterm Schreibtisch – wie langweilig wäre das denn bitte??

Was weißt Du schon zum Thema – und was willst Du noch darüber erfahren?

Melde dich bei uns und bleib neugierig,
alles Liebe,
Deine Tina

Hier siehst du Tina.

Autorin: Tina

Gib mir Feedback zu diesem Artikel an tina@generationfreiekinder.de !

Bleib' doch noch ein wenig! Vielleicht interessiert dich auch...