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Neulich unterhielten wir uns in einer kleinen Mama-Runde darüber, wie es ist, wenn das zweite Kind geboren wird. Wir alle haben Kinder mit kurzem Altersabstand (etwa 2 Jahre) geboren, auf diese Situation bezieht sich auch mein heutiger Artikel – wie es mit einem größeren Altersunterschied ist, kann ich Dir nicht sagen (Du vielleicht? Dann schreibe doch einen Gastartikel dazu! 🙂 ).

Wie Du vielleicht weißt, hätte ich gerne noch mehr Kinder. Dieser Wunsch ist immer da, mal stärker und mal weniger stark, aber ich hatte seit der Geburt der Kleinen tatsächlich keinen einzigen Tag, wo ich dachte “Nein, ich will kein Kind mehr”. Ehrlich gesagt frage ich mich manchmal selbst, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. 😉 Denn so sehr ich die Kinder liebe, so großartig das Leben mit ihnen ist: es ist auch verdammt anstrengend.
Ich habe Dir schon erzählt, dass unser Großer ein Schreibaby war. Die ersten Wochen und Monate haben uns wirklich einiges abverlangt. Dennoch war für mich klar: nochmal! Ich habe keinen KINDwunsch, ich habe einen KindERwunsch. In der Schwangerschaft mit der Kleinen war ich auch wirklich entspannt und habe selten darüber nachgedacht, wie es sein würde, erneut ein Schreibaby zu haben. Zum einen dachte ich mir “Ahja, was soll schon passieren, viel schlimmer kanns ja nicht werden. Und wir wissen ja jetzt Bescheid!”, zum anderen spürte ich, dass dieses Kind ein ganz anderes Wesen hat, als unser Erstgeborener (klingt komisch, ich weiß, hat sich aber bestätigt).

Diese “Coolness” war dann schlagartig vorbei, als die Kleine geboren war. In den ersten Tagen bin ich jedesmal regelrecht in Panik verfallen, wenn sie schrie – aus Angst, sie würde, wie ihr Bruder, nicht mehr damit aufhören. Die zweite Nacht mit ihr habe ich stundenlang geweint, weil ich, nachdem ich endlich mit ihr auf dem Sofa eingeschlafen war, kurz darauf durch ihr Weinen wach wurde und im Halbschlaf dachte, es sei zwei Jahre früher und es sei mein Sohn, der schrie (und schrie und schrie und schrie….). Ich habe mich so erschreckt, dass ich sie meinerseits anschrie, sie solle aufhören – und fühlte mich danach wie der grässlichste Mensch auf dieser Erde. 🙁

Meine Ängste bestätigten sich glücklicherweise nicht. Unsere Tochter hatte zwar auch ihre Schreistunden abends, aber zwei, drei Stunden am Abend lassen sich gut aushalten im Gegensatz zu den vier, fünf, sechs (…), die unser Großer in seinen ersten Monaten täglich schrie.

Der Große lernt die Kleine kennen.

Dennoch: die erste Zeit mit zwei Kindern war nicht einfach. Obwohl der Große seine Schwester vom ersten Moment an (da er bei der Geburt direkt im Nebenzimmer war, lernte er sie ja nur wenige Minuten, nachdem sie geboren war, kennen) abgöttisch liebte, war er natürlich auch eifersüchtig. Abends wollte er bei mir sein und während ich mit der dauerstillenden, schreienden Tochter abends im Bett saß, sprang er um uns herum, stupste mich und versuchte, seine kleine Schwester wegzuschieben und zu hauen, um sich statt ihrer in meine Arme zu drängen. Gemeinsames Kuscheln reichte ihm nicht, der Papa reichte ihm nicht (und der Kleinen ebensowenig), er wollte mich ganz und gar für sich alleine. An diese Stunden musste ich denken, als die “große” Tochter meiner Freundin genauso um ihre Mama mit der stillenden Babytochter herumsprang, an ihnen vorbeikletterte, sich gegen sie warf. Und ich sah bei ihr das Gefühl, das auch ich vor etwa zwei Jahren empfunden hatte:
Schmerz, meinem Sohn, der ja selbst noch so klein war, gerade nicht gerecht zu werden. Traurigkeit, weil ich ihn regelrecht wegschieben musste, um mich und das Neugeborene zu schützen. Der Wunsch nach ein bisschen Ruhe. Ein bisschen Wut im Bauch. Schuldgefühle deswegen.
Bei besagtem Treffen tobte ich dann daraufhin mit der kleinen Großen und war froh, meiner Freundin so ein wenig helfen zu können.

Wir sprachen an diesem Nachmittag darüber. Wie anstrengend es ist, mit zwei so kleinen Kindern. Wie wenig man sich das vorher vorstellen konnte. Ja, natürlich weiß man, dass es mit zwei Kindern anstrengend sein wird. Aber man kann es erst richtig verstehen, wenn man es erlebt hat. Wir stellten auch fest, dass es bei anderen immer so einfach aussieht. Dass darüber auch irgendwie nicht gesprochen wird. Das hat mich nachdenklich gemacht. Denn tatsächlich hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt auch das Gefühl, dass die anderen es offensichtlich besser hin bekamen. Ich war teilweise fast ein bisschen neidisch, weil es so einfach aussah und ich in den ersten Wochen und Monaten so oft so verzweifelt gewesen war. Aber wenn ich zurück denke… ja, auch ich habe allenfalls mit meinem Mann und meiner Mama darüber gesprochen, wie sehr es mich zerriss. Wie sehr ich unseren Sohn “vermisste”, weil ständig die Kleine an mir klebte. Ich weiß heute, dass sicher nicht alles toll war, aber dass ich es verdammt gut gemacht habe. Im Großen und Ganzen. Und dass die Momente, in denen ich – völlig fertig, übermüdet und überfordert – meinen Sohn angemotzt und angeschrien habe, ihn nicht geschädigt haben. Das macht es zwar nicht besser, aber wie ich schon in einem anderen Artikel geschrieben habe: ich kann heute gütig mit mir sein, ich kann mir verzeihen und anerkennen, dass ich es mit jedem Tag ein bisschen besser mache.

Ich denke schon, dass es nicht Allen so geht. Vielleicht liest Du das heute und schüttelst den Kopf und denkst Dir “Jetzt übertreibt es die Tina aber. So schlimm ist das mit zwei Kindern ja auch nicht!” Freu Dich darüber! 🙂 Wirklich, ich gönne es jedem von Herzen, dem es leichter fällt, der das was ich hier (und im Artikel über mein Schreibaby) geschrieben habe, nicht nachvollziehen kann.
Ich habe aber im Gespräch mit den anderen Mamas festgestellt, dass es eben doch ganz, ganz vielen so ergeht wie mir/uns – und dass wir offensichtlich alle denken, wir seien alleine damit, nicht gut genug; wir seien schlechter, schwächer, unfähiger als alle Anderen. Blödsinn! Wir haben alle unser Päckchen zu tragen, die einen ein kleineres, die anderen ein ziemlich großes. Vielleicht sollten wir einfach mal anfangen, darüber zu reden – dann stellen wir vermutlich fest, dass wir oftmals ziemlich viel gemeinsam haben.

Der Große kuschelt mit der Kleinen.

Ich leitete den Artikel damit ein, dass ich mir schon immer viele Kinder gewünscht habe. Und dass das auch nach zwei Kindern, die man nicht unbedingt als “Anfängerbabys” bezeichnen kann, nicht anders ist. Vielleicht bin ich total bescheuert, vielleicht auch ein bisschen naiv, auf jeden Fall unverbesserlich optimistisch. Denn, so anstrengend es auch sein kann, es lohnt sich. Und es wird besser. Und wenns nicht besser wird, wirds zumindest anders. 😉 Und ich selbst wachse ja auch. Sicherlich wünsche ich mir manchmal alles ein bisschen einfacher, aber es ist nun mal so und nicht anders. Anstrengend, herausfordernd, zum Heulen und Schreien, aber auch wunderschön. Denn ich sehe jeden Tag, wie wertvoll sie füreinander sind. Inzwischen streiten sie täglich(!). Lautstark. Aber sie spielen auch immer öfter miteinander. Und suchen einander, wenn es ihnen schlecht geht. Sorgen füreinander. Lieben einander.

Ich will mit diesem Artikel Niemandem Angst machen. Du sollst nicht denken “Oh Gott, wenn das so anstrengend ist, überlege ich es mir lieber nochmal mit einem zweiten Kind!” Aber ich will mal ehrlich sagen, wie es ist. Und ich will an Dich und alle anderen Eltern appellieren: Seid ehrlich zueinander! Unterstützt einander. Und wenn es nur über Whatsapp ist. Oder online bei Facebook oder in Elternforen. Zeigt, dass ihr schwach seid. Seid mutig und zeigt euch eure Angst, eure Überforderung. Das ist nicht schlimm! Das ist völlig normal!

Wie sieht es bei Dir aus? Hast Du mehrere Kinder? Wie hast Du die ersten Wochen und Monate erlebt? Wie geht es deinen Freund(inn)en?

Alles Liebe,
Deine Tina

Hier siehst du Tina.

Autorin: Tina

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