Seite auswählen
Mutter zu sein ist der lukrativste Job der Welt.
Er wird mit purer Liebe bezahlt.

 

Bauchschmerzen oder Bauchgefühl?

Ich musste vor kurzem mal wieder schmerzhaft feststellen, dass es vielen Mamis schwer fällt, auf ihren angeborenen Instinkt zu hören. Und damit bin ich schon voll im heutigen Thema. Als ich mit meinem ersten Baby schwanger war und den positiven Test in der Hand hielt, war dies wohl einer der unglaublichsten Momente meines Lebens. Vor allem, da es bis zu dem Zeitpunkt laut mehrerer Ärzte aus Berliner (Spezial)Kliniken unmöglich war, dass ich jemals, weder natürlich noch künstlich, ein Kind bekommen könnte. Ich konnte es nicht fassen und war überwältigt, als ich dann völlig überraschend doch ein kleines Wunder in meinem Bauch hatte. Aber das Gefühl hielt gar nicht so lange an, denn nachdem nach und nach Freunde und Familie von meiner Schwangerschaft erfuhren, wurden auch die Ratschläge und Gespräche rund zum Thema Schwangerschaft und Erziehung laut. Was ich essen sollte, was nicht. Was ich brauche und was ich auf keinen Fall brauche. Und dann sind neben den ganzen Geschichten über „Ach, ich weiß noch, wie das damals bei mir war“ auch noch die Medien, die einem wunderbar vorgaukeln, wie man am besten mit seinem Kind umgeht, dass man super aussieht nach der Geburt, dass Fertigmilch inzwischen genauso gut wie Muttermilch ist, denn sie ist ja seit Jahrzehnten getestet und was man nicht alles kaufen soll für sein Kind. Wenn man mal in einen Babyladen fährt, wird man ja praktisch erschlagen von dem riesigen Angebot. Kinderwagen, Kindersitze, Wickelkommoden und so weiter. Das Angebot ist riesengroß.

 

Mit all diesen Eindrücken und Meinungen wurde ich damals konfrontiert und habe das auch (fast) gelebt.
Als die Wehen, von denen ich ja schon so viel gehört hatte, dass ich fast dachte, dass ich schon wüsste, wie es sich anfühlen wird, einsetzten, blieb ich aber interessanterweise total ruhig. Natürlich stellte ich später fest, dass ich rein gar nichts von Wehen wusste.

Nach acht Stunden in der Klinik wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Mein Mann rief die Hebamme, der ich genau das sagte. Sie nahm mich absolut nicht ernst und sagte, ich müsse da durch. Eine halbe Stunde später rief ich sie wieder und sagte ihr, dass der Kleine steckt. Ich spürte es und ich spürte instinktiv, dass es ab jetzt nicht mehr normal war. Leider nahm sie darauf keine Rücksicht und ließ mich (als unerfahren) liegen. Nach 17 Stunden wurde endlich auch der Hebamme klar, dass etwas nicht stimmt, denn der Oberarzt schrie sie regelrecht an. Natürlich hatte ich recht, das Kind steckte. Inzwischen hatte ich Presswehen, eine Schwangerschaftsvergiftung mit über 40 Grad Fieber und die Herztöne unseres Wunders waren weg. Ich habe keine Ahnung mehr, was danach passierte, ich bekam nur noch mit, dass mein Mann sich von mir verabschieden sollte. Man wüsste nicht, was kommen würde. Gott sei Dank ging in meinem Fall alles gut. Per Notkaiserschnitt konnte man sowohl unseren Schatz auf die Welt holen, als auch mich dann später stabilisieren. Insgesamt habe ich mehr als 17 Stunden in den Wehen gelegen und hatte danach noch einen Notkaiserschnitt. Meine Hebamme zuhause sagte mir später, ich hätte ein Kind normal bekommen und danach habe man dasselbe Kind nochmal per Kaiserschnitt geholt, so las sich wohl der Krankenhausbericht. Das Stillen klappte im Krankenhaus gar nicht und als eine Hebamme dann völlig verzweifelt das kleine Gesicht sehr brutal in meine Brust drückte mit den Worten „Jetzt stell Dich nicht so doof an, Kind“ verließ ich nach 48 Stunden auf eigene Gefahr das Krankenhaus mit meinem Sohn und bin nach Hause. Die Vorwürfe, die mir deswegen gemacht wurden, kann sich manch einer gar nicht vorstellen. Der Einzige, der mich damals bestärkte, war unser Kinderarzt. „Das war das Beste, was Sie machen konnten, für sich und Ihren Sohn“. Zuhause klappte das Stillen auf Anhieb.

Heute würde mir das nicht mehr passieren.

Heute weiß ich, dass es damals mein Mutterinstinkt war, der mir nach sieben Stunden sagte, dass etwas nicht stimmt. Es waren nicht die Schmerzen oder die Müdigkeit. Es war ein Instinkt. Etwas, das jeder Frau auf der Welt gegeben ist. Dessen bin ich mir sicher. Es gibt keine Mutter auf dieser Welt, die nicht weiß, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollte. Es gibt keine Frau auf dieser Welt, die unfähig wäre ein Kind zu bekommen oder zu versorgen.

Viele Wissenschaftler und Ärzte würden mir jetzt sagen, dass es einen Mutterinstinkt nicht gibt. Es soll eine „Wunschvorstellung“ sein und nichts Nachweisbares.

…“die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der University of California Davis bezeichnet die Vorstellung von der „liebenden Mutter“ in ihrem Buch „Mutter Natur“ als Wunschdenken: „Die Natur habe dem Weib keineswegs die Rolle der liebenden, aufopferungsvollen Ammen-Mama zugewiesen“, so die Evolutionsforscherin. „Der ‚Mutterinstinkt‘ sei, so wissenschaftlich dieser Begriff auch anmute, weder instinktiv, noch allen Müttern eigen.“  Quelle: http://www.gofeminin.de/familie/mutterinstinkt-s803709.html

Dann möchte ich fragen: Ist Liebe nachweisbar? Ist Angst nachweisbar? Ist Wut nachweisbar? Irgendwie kennen wir alle die Gefühle der Liebe, die Gefühle der Wut, die Gefühle der Angst. Aber die Gefühle des Mutterinstinktes soll es nicht geben? Vielleicht sehe ich das ja zu naiv und bin kein Experte, na schön. Aber ich lasse mir trotzdem nicht sagen, dass es keinen Mutterinstinkt gibt. Vielmehr glaube ich, dass ihn viele der heutigen Mütter einfach „vergessen“ haben. Er liegt tief vergraben unter Ratschlägen, Mediengaukelei und Selbstzweifeln.

Ich würde mir wünschen, dass wir wieder mehr darauf schauen, was ein Baby oder Kind wirklich braucht. Sind es die schicken Möbel, der teure Kinderwagen und der Designerautositz? Das pädagogisch wertvolle Spielzeug, das sich häuft? Oder ist es die Nähe der Mutter, die Liebe und Zuwendung des Vaters. Die gemeinsame Zeit und authentische Eltern? Und damit meine ich nicht das „normale“. Ich meine, Eltern die wirklich ihr Kind „sehen“.

Es ist heutzutage nicht mehr normal, dass man sein Kind im Tragetuch trägt. Es ist nicht mehr normal, dass man Stillt. Es ist nicht mehr normal, dass man sein Kind selbst betreut. Es ist nicht mehr normal, dass Frauen nicht arbeiten. Es ist nicht normal, sein 2 jähriges Kind nicht in die fremden Hände einer „Tagesmutter“ zu geben. Aber all das zu tun ist „normal“. Es ist normal, dass die Kinderzimmer voller Spielzeug sind, teurer Möbel, und dass man zwei bis vier Mal im Jahr in den Urlaub fahren kann. Mir hat mal eine andere Mutter gesagt, es wäre ja total wichtig, mindestens zwei Mal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Auf meine Frage, warum sie so denkt, antwortete sie, dass man dann mal Zeit für die Familie hat und sich darauf konzentriert und die Kinder dann auch neue Umgebungen kennen lernen. Traurig oder? Traurig, dass man sich nur im Urlaub auf die Familie konzentrieren kann und nur währenddessen andere Orte kennen lernen kann. Traurig, dass man nur dann für seine Kinder intensiv Zeit haben sollte. Und das ist normal?

Normal scheint es auch zu sein, dass Väter sich nicht mehr kümmern und Müttern das nichts ausmacht. Egal wie klein das Baby ist oder wie (scheinbar) groß Dein Kind ist.
Es macht mich nicht nur unendlich traurig, dass diese Normalität besteht, sondern mir blutet das eigene Mamaherz. Wie kann man so ohne Liebe sein? Was ist passiert, dass wir keine Liebe mehr spüren und geben können. Was ist passiert, dass eine Mutter ihr Kind schreien lässt – was ist passiert, dass man diesem Wesen dann vorhält, es würde bereits manipulieren. Ich möchte die Mamis da draußen, die ich erreiche, ermutigen, auf Ihr Herz zu hören, auf Ihren Instinkt und auf Ihre Liebe zu ihrem Kind. Ich möchte wieder volle Spielplätze morgens um halb zehn mit Kindern sehen, die von ihren Eltern betreut werden und auf denen Eltern MIT ihren Kindern spielen und sie nicht nur „betreuen“. Ich möchte authentische Eltern erleben, die auf ihre Kinder eingehen, sie verstehen, sie begleiten und beschützen. Eltern, die ihre Kinder lehren und nicht belehren (lassen).
Lasst den Haushalt doch mal stehen, lasst den Herd mal aus. Nehmt euch Zeit für eure Kinder. Für ihre kleinen Herzen und Seelen, für die wir jeden Tag verantwortlich sind. Es ist ein Geschenk, das uns gegeben wurde und das wir jeden Tag erleben dürfen. Hört auf Euer Herz und darauf, was Euer Kind braucht. Hört nicht darauf, was Nachbarn, Familie oder Freunde sagen. Lasst euch nicht verunsichern. Die Unsicherheit ist der größte Feind des eigenen Instinkts. Angst ist der größte Feind der Liebe. Lass Dich nicht (mehr) verunsichern. Fühl Dich hinein in Dich und Dein Kind und fühl Dich hinein in das, was Euch gut tut und dann geht Euren Weg. Und wenn es mal nicht so klappt, das kenne ich nur zu gut, dann lies mal den tollen Artikel von Tina (hier entlang). Ich finde, dieser Artikel spricht uns alle an und bestärkt uns, dass wir nicht allein sind.
Ich möchte Dich und mich bestärken, weiterhin auf unsere Instinkte zu hören, zurück zur Natürlichkeit und dem natürlichen Mama sein.

Ich hoffe, wie immer, dass Dir mein Artikel gefallen hat und wenn du Fragen oder Anregungen hast, dann hinterlasse mir gern einen Kommentar oder schick mir eine Email.

Es grüßt Dich ganz lieb
Sarah

Autorin: Sarah

Gib mir Feedback zu diesem Artikel an sarah@generationfreiekinder.de !

Bleib' doch noch ein wenig! Vielleicht interessiert dich auch...