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Wir sind nicht unordentlich, aber meine Innenarchitekten sind erst 7,5 und 3 Jahre alt.

 

Ich bin ja eher ein chaotisch-kreativer Mensch. Was das genau bedeutet? Naja, für mich heißt das, ich habe es eigentlich sehr sauber, ordentlich, sortiert und ich habe am allerliebsten den Überblick. Über die Wäsche, über die Unterlagen, Finanzen und auch über die Termine und den anderen Haushalt. Meine Küche glänzt in jeder Schublade, das Besteck ist poliert, in den Töpfen kann man sich spiegeln und Staub oder Spinnenweben kenne ich gar nicht. Die Geschirrhandtücher sind gebügelt, ebenso die Bettwäsche und natürlich alles Andere auch. Für die Kinder habe ich immer alles passend und vorauschauend mit. Windeln, Tücher, Tempos und natürlich Haargummis und den Teddybären. Ein Buch zum Ansehen und Spielzeugautos. Mein Auto ist sauber und ordentlich und die Kindersitze sind, trotz Keksen und Saft, immer tip-top.  Soviel zu meiner Theorie.

Die Praxis, die sieht ganz anders aus. Ordnung ist inzwischen „Ansichtssache“, sortiert, naja, sind wir mal ehrlich, nur Genies beherrschen das Chaos, den Überblick habe ich bereits vor Jahren verloren, Unterlagen erledige ich immer auf den letzten Drücker und Finanzen, naja, darüber redet man ja eh nicht ;-).  Die Wäsche stapelt sich nicht nur in den beiden Wäscheboxen, sondern auch auf den berühmten „Wäschestühlen“ (zu sauber für die Wäsche, aber auch getragen, daher nicht wieder in den Schrank) und in der Badewanne. Meine Küche glänzt natürlich voller Kreativität, Wasserfarbenstreifen auf dem Tisch, Knetereste unter dem Tisch und Krümel in den Ecken, davon wird manchmal sogar unser Hund satt ;-).
Staub findet man überall dort, wo ich nicht täglich irgendetwas hinlege oder wegnehme (also ist das dann gar nicht so viel Staub *nachdenk*) und Spinnenweben findet man natürlich durchaus auch mal in meiner Wohnung. Ich habe ja mal gehört, die seien gut gegen Mücken und Fliegen, gilt das auch im Winter?
Gebügelt ist bei mir übrigens auch nichts, mit Ausnahme der Arbeitshemden meines Mannes und weißer T-Shirts.
Mein Auto… darüber rede ich nicht 😉 , verrate euch aber, dass mein Mann es liebevoll „Müllwagen“ nennt.

Um nun zu Wickeltasche oder Handtasche zu kommen…

Kennt ihr auch diese perfekten Mamis, die auf dem Spielplatz aus der Wickeltasche drei Tupperdosen frisch geschnittenes Obst zaubern, gesunde Trinktütchen und natürlich ist ein Ersatzschnuller und für den Notfall der geliebte Bär dabei. Am Kinderwagen hängt ein kleines Bilderbuch und natürlich hat die Mami auch für sich eine (Glas-)Flasche Wasser mit. Wenn die Trinktütchen leer sind, dann gibt es noch leckeren Tee für den Nachwuchs und falls das Obst nicht reicht, dann hat die Mami noch eine Tüte vom Bäcker mit frischen Brötchen dabei. Natürlich sind auch frische Brötchen zum Abendbrot für den Papa mit drin. „Habe ich eben noch schnell auf dem Weg geholt.“ Dabei ist sie durch und durch hübsch angezogen, fehlerfrei geschminkt und die Haare sitzen perfekt. Dass sie in ihrer Tasche so viele Sachen hat, erkennt man nicht, diese ist natürlich ordentlich sortiert. Sie hat natürlich das neueste, tollste Bastelbuch, das sie mir zeigt und ihren Haushalt für den Tag bereits erledigt.

Und dann ich… Der Kinderwagen ist vollgekrümelt mit Keksresten von gestern, die nicht sortierte und nur halb eingeräumte Wickeltasche habe ich zwischen Kindern anziehen und Diskussionen, wie viele Schaufeln und Eimer wir mitnehmen, Zuhause stehen lassen. In meiner Handtasche ist nur noch die Notfallwindel, natürlich ohne Feuchttücher. Und wenn ich ganz viel Glück habe, verliert mein Kind seinen Schnuller heute mal nicht im Sand, und auf den Ersatz sind wir damit dann gar nicht erst angewiesen, denn der befindet sich Zuhause in einer der Lego Duplo-Kisten oder irgendwo im Bad. Wenn ich nach Hause komme, werde ich noch die Wäsche machen müssen und die Küche aufräumen. Nebenbei muss ich mir ausdenken, was ich meinem Mann zum Abendessen zaubern kann. Ich habe einen Knoten in den Haaren, denn für eine anständige Frisur war beim besten Willen keine Zeit mehr, nachdem ich meiner kleinen Tochter endlich nach Ihren Wünschen ihre Zöpfe gemacht hatte (sie überlegt es sich gern immer wieder anders) und um Bastelbücher habe ich mir seit einer halben Ewigkeit keine Gedanken mehr gemacht. Ehrlich gesagt stauben die, die ich besitze, eh ein, da meine Kinder es langweilig finden, nach Anleitungen zu basteln. So sitze ich also da, hoffe, dass ich Niemanden der Nachbarn in meinem Aufzug antreffe, wenn ich nachher mit den Kindern nach Hause komme, und hoffe ebenfalls, dass mein Jüngster sein „Geschäft“ für heute bereits erledigt hatte, denn die fehlenden Feuchttücher in meiner Handtasche lassen mich schwitzen. Kennst Du das?

Ich kenne es nur zu gut und diese Situation war nur eine der vielen, von denen ich erzählen kann.
Wenn ich daran denke, was Mütter nicht alles leisten sollen neben Arbeit, Haushalt, Aussehen und der perfekten Kindererziehung (oder Nichterziehung) dann wird mir ganz übel. Die „To Do Liste“ in meinem Kopf wird immer länger, und während abends alle friedlich schlafen, inklusive meines Mannes, gehe ich die Liste wieder und wieder durch.

So und nicht anders habe ich lange jeden Tag verbracht. Heute bin ich etwas anders, immer noch nicht organisiert, aber ich habe mir ein paar Alltagshilfen einfallen lassen, die mir in der Tat viel Zeit, Ruhe und Stress ersparen. Heute möchte ich sie gern an Dich weitergeben:

  1.   Vorbereitung ist alles

Wenn am nächsten Tag ein Termin beim Kinderarzt ansteht, eine Verabredung, Reiten oder Fussballtraining, dann bereite ich mich darauf vor, indem ich die Tasche mit allem packe, was ich, oder eben eins der Kinder, benötige/benötigt. Damit nichts vergessen wird, habe ich Checklisten gemacht. Ähnlich einer Reisepackliste. Für die Kinder gemalt, für mich schriftlich. So können die Kinder mir helfen, nachzusehen, ob alles gepackt ist, und haben auch noch Spaß daran. Die Tasche(n) hängen wir dann vorn an die Tür, so kann sie nicht vergessen werden.

  1.   Ich trickse mich selber aus

Wenn ich Unterlagen zum Erledigen bekomme, oder Rechnungen, die es zu bezahlen gilt, dann mache ich mir inzwischen in den Terminkalender in der Küche eine Notiz mit 1, 2 oder 3. Ich habe in der Küche einen Holzständer, in den ich die Tagespost stecke. Das Aktuellste ist in Nummer Drei. Am Samstag schaue ich dann alles durch und leere den Kasten. Im Kalender trage ich mir dann ein, wann ich was erledigen muss.  Und zwar immer mindestens 7 Tage vor Ablauf. So kann ich nichts mehr zu spät erledigen.

  1.   Jeden Tag ein bisschen

Ich habe angefangen, mich von der Vorstellung des perfekten Haushalts zu verabschieden. Ich mache jeden Tag, in einem bestimmten Zeitrahmen, das Wichtigste. Dazu schreibe ich mir abends 5 Sachen auf meine To Do Liste. Ich erledige in dem Zeitrahmen, den ich habe, das Wichtigste (Nummer 1) als Erstes, und zwar ganz in Ruhe. Und arbeite meine Liste weiter ab. Wenn die Zeit um ist und ich noch nicht alles geschafft habe, kommen die Nummern, die ich nicht geschafft habe, als Nummer 1 auf die To Do Liste des nächsten Tages. So arbeite ich nach und nach dann letztendlich Alles ab.

  1.   Ich sage bewusst „NEIN“

Früher habe ich immer alles sofort für Andere erledigt. Ob es nun ein Anruf von der Arbeit war, es an der Tür klingelte und jemand zum Kaffee spontan vorbeischaute, oder ob es Erledigungen für Familien und Freunde waren. Ich habe alles gemacht und mich dann bei meinem Mann darüber beschwert, zu nichts zu kommen. Es war ein Lernprozess, und der ist es auch heute noch, aber ich schaffe es immer besser. Und interessanterweise sind mir Andere überhaupt nicht böse, wenn ich mal „Nein“ sage und die Welt dreht sich sogar weiter. 😉

  1.   Ausreichend trinken

Der Tipp von Tina aus ihrem letzten Artikel (hier entlang) ist auch der fünfte Tipp von mir.
Ich trinke, schon immer, viel zu wenig und muss(te) lernen mehr Wasser zu mir zu nehmen. Dazu habe ich mir in der Küche eine „Trinkstation“ eingerichtet. Jedes Mal, wenn ich daran vorbei gehe, trinke ich ein Glas Wasser und fülle es wieder auf.
Und ich gehe oft vorbei. 😉

  1.   Erwartungen

Ich habe keine Erwartungen mehr an andere Menschen, oder gar an meine Kinder. So lebe ich viel entspannter, und setze auch andere Menschen in meiner Umgebung nicht mehr unter Druck. Wenn man Erwartungen an Andere hat, die sich nicht erfüllen, dann reagiert man mit Frust, Wut oder Traurigkeit und all diese Dinge braucht keiner von uns. 😉

  1.   Auszeiten

Eine besonders wichtige Angelegenheit sind Auszeiten für sich selber. Zum auftanken, Luft holen, alleine sein. Wie auch immer es bei Dir ist. Ich nehme mir diese Auszeit, in Absprache mit meinem Mann, jeden Samstag für 90 Minuten. In dieser Zeit fahre ich zum Reiten. Ich putze das Pferd, sattle, und habe dann eine Stunde Unterricht. Dabei habe ich Kontakt zum Pferd, bin sportlich aktiv und lerne sogar was. Für mich ist das der optimale Ausgleich.

  1.   Familienzeit

Die Familienzeit haben wir vor kurzem eingeführt. Zu dieser Zeit lassen wir Zuhause alles stehen und liegen, und fahren mit den Kindern raus in die Natur, oder unternehmen etwas anderes, wobei alle Spaß haben. Wichtig ist für uns, diese Zeit nicht zu teilen, wir nehmen also keine Freunde mit, keine anderen Familienmitglieder oder befreundete Familien. Wir wählen Orte, an denen wir miteinander lernen können, uns über alles unterhalten können, und gleichzeitig an der frischen Luft sind. Auf neutralem Boden und in neuer Umgebung kommen häufig die tollsten Gespräche zustande. Und wenn die Kinder spielen, dann haben Mama und Papa sogar Zeit für Mama und Papa Gespräche.

  1.   Termine

Ich mache pro Woche nicht mehr als einen Arzttermin, Friseurtermin oder ähnliches. Und diese Termine auch nur dann, wenn kein Reiten und Fußballtraining  am selben Tag stattfindet. So halte ich  mir die Wochen immer luftig und fühle mich nicht gehetzt und gestresst.

  1.  Das Jetzt und Hier im Auge behalten

Dieser letzte Tipp ist wohl der wertvollste, den ich Dir geben möchte. Behalte immer das Jetzt und Hier im Blick. Jetzt und Hier brauchen Dich Deine Kinder. Jetzt und Hier wollen sie mit Dir spielen. Jetzt und Hier hast Du die wunderbare Ehre, Deine Zeit mit ihnen zu verbringen. Jetzt und Hier kommt nicht wieder zurück. Da sind die vielen anderen Dinge doch nebensächlich, oder?

 

Ich freue mich, wenn Dir meine Tipps gefallen und Du vielleicht das ein oder andere Umsetzen möchtest. Hast Du noch weitere Tipps? Dann hinterlasse mir doch gern einen Kommentar. 

Es grüßt Dich ganz lieb
Sarah

Autorin: Sarah

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